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Mhutappa – ein respektierter Führer der Coorg Adivasis

Mhutappa habe ich auf meiner Reise zu den Adivasis (Ureinwohner/innen oder die ersten Bewohner/innen Indiens) im Distrikt Coorg des Bundesstaates Karnataka in Süd-Indien kennengelernt. Seine Geschichte hat mich aufgerüttelt und inspiriert: welchen Werten folge ich wirklich kompromisslos in meinem Leben? In meiner Arbeit?

Die Autorin, Beatrice Eyer, ist gerade für 3 Monate in Südindien und Nepal unterwegs. Als dieser Kurzbericht entstanden ist, hat sie sich für ein soziales Projekt in einem Leadership Programm engagiert.

Muthappa ist in den Wäldern von Coorg, einem Hügeldschungelgebiet, ca. 1958 geboren. Sein Vater musste bereits das nomadisierende Waldleben aufgeben und wurde von englischen Landlords als Sklave gehalten. Teile des Urwalds mussten den Kaffee,- Kardamom- und Teeplantagen der Briten weichen. Muthappa hat die grossen Ungerechtigkeiten früh erkannt und sich als Bube geschworen, der Sklaverei zu entkommen. Dies ist ihm gelungen. Der zweite Schwur war, seinen Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Er selber ist Analphabet. Seine erstgeborene Tochter Leelavathi trug er als Kind am Montagmorgen einige Stunden auf den Schultern durch unwegsames Gebiet zur Schule und holte sie am Freitag wieder ab. Leelavathi wurde seine Stütze und rechte Hand: lesen und schreiben lernte sie schnell. Später konnte Leelavathi die Schule fortsetzen, da Medien die Arbeit vom furchtlosen Sozialaktivisten Muthappa verbreiteten und ein berühmter nationaler Hockeyspieler Leelavathi das Studiumzur Sozialarbeiterin MSW bezahlte.

Im Süden Karnatakas ist Muthappa heute ein bekannter Mann: viele Gerichtsfälle hat er gewonnen, v.a. die Landrechte für viele Adivasi Familien & viele Klagen gegen sexuelle Übergriffe auf Frauen. Arbeitet eine Frau als Tagelöhnerin gehört der sexuelle Missbrauch einfach dazu. Sie sind „voiceless" und werden demütigend behandelt. Nur durch Bewusstseinsbildung und Vermittlung von Wissen über ihre Rechte und Gesetze können sie sich langsam selber wehren und ermächtigen.

Als ich Muthappa fragte, was ihn sein Leben lang in dieser harten Arbeit so motiviere, war seine Antwort einfach und klar: „Jeder Mensch hat das Recht auf ein würdiges Leben. Dafür kämpfte ich bis jetzt und werde nicht aufhören." Viele Leadership Trainings hat er für seine Leute durchgeführt und vielen jungen Menschen Mut gemacht.

In anthropologischen Studien werden die Adivasis dieser Stämme so beschrieben: friedliebend, Gleichbehandlung von Mann und Frau, keine Mitgift bei der Hochzeit. (was viele indische Familien heute noch in den finanziellen Ruin treibt).Harmonie mit der Natur. Eigene Stammeskultur, wo im Kreis so lange diskutiert wird bis für alle stimmige Lösungen gefunden werden.

Diese Kreis-Rituale führen sie heute noch durch – die Dörfer von Muthappa sind auch sehr stolz, dass sie für die Lösung von ihren eigenen nachbarschaftlichen und sonstigen Problemen noch nie die offizielle indische Polizei oder das offizielle Recht angefragt haben.

Er selber wurde mehrfach ins Gefängnis gesteckt, von offizieller Seite angeklagt etc., doch musste er immer wieder freigelassen werden, da ihm nichts Unlauteres nachgewiesen werden konnte. Für ihn sind „Ehrlichkeit"(truthfulness) und Gewaltlosigkeit die höchsten Werte.

Ich konnte einige Zeit mit ihm und seiner Grossfamilie verbringen und so viel beobachten und lernen – Achtung und Dankbarkeit für diese Vorbilder!

In unseren Leadership Trainings brauchen wir oft den Satz „Walk the talk!"

Muthappa ist für mich zu einem Vorbild geworden – ein respektierter Führer, der sich für das, was ihm wert-voll ist, kompromisslos einsetzt: Menschenwürde, Ehrlichkeit, Gewaltlosigkeit.

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