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Innovation ist unsere DNA

Wenn wir an Innovation denken, dann stellen wir uns geniale Ideen vor, welche uns oder anderen ‚zufliegen'. Innovation hat aber viel damit zu tun, wie wir unserem geistigen Haushalt führen, wie wir kollektiv mit unserem nicht-Wissen verfahren und wie bewusst wir dem Umstand sind, dass wir selber aktiv unsere Innovationskraft zugedeckt halten.

Norbert gilt als ‚Silberrücken' in der Organisation. Er sitzt am Tisch mit seinem Team und sie überlegen sich wie sie die neulich festgestellte tiefe Motivation der Mitarbeiter heben könnten. Kreative Lösungen sind gefragt. Monika ist neu in der Organisation und schlägt eine Befragung der Mitarbeiter vor. Norbert erwidert sogleich, dass ein ähnliches Vorhaben in der Vergangenheit nicht geklappt hätte. Für eine Weile sind alle ruhig. Karl, welcher die Organisation und Norbert gut kennt, meint dass es am Besten wäre wenn Norbert einmal im Monat mit den Mitarbeiter Kaffee trinken geht, denn er vermutet dass dies Norbert gefallen könnte. Und tatsächlich erntet er Anerkennung für diesen Vorschlag. Die Kaffee-Aktion wird umgesetzt. Monate später drängen sich andere Prioritäten auf und die Wirkung von Norberts Kaffee Meetings wird weder gemessen noch weiter diskutiert.

Dynamiken wie diese sind wahrscheinlich in den meisten Organisationen an der Tagesordnung. Im Moment, wo es um kreative Lösungen geht, wären eigentlich so viele Perspektiven wie möglich gefragt und es wäre erforderlich, die Situation neu und breit zu betrachten. Zudem wäre es grade für Norbert wichtig, sein nicht-Wissen in Bezug auf diese Situation zu erkennen und mit etwas Geschick als wertvolles Gut einzusetzen.

Jede Veränderung beinhaltet das Enden des ‚Alten', der bisherigen Vorstellung, der gewohnten Abläufe, der geläufig gewordenen Rollen und vieles Andere mehr. Nach diesem Enden befinden wir uns als Individuum oder als Team in einem Zustand des nicht-Wissens, denn das Alte funktioniert nicht mehr und das Neue ist noch nicht Realität. Im Zustand des nicht-Wissens lösen wir uns emotional vom Alten und dadurch werden wir offen und aufmerksam. Das ist ein Anlass, aus welchem aktiv neue Perspektiven eingeholt, das Bekannte noch gründlicher hinterfragt und neue Wege ausprobiert werden können. Der Zustand des Nicht-Wissens wird durch die Praxis der Achtsamkeit bewusst kultiviert, denn aus diesem Zustand heraus lässt sich das Neue entdecken, weitere Perspektiven gewinnen und ganz allgemein mehr Frische in den geistigen Haushalt bringen.

Im Team heisst nicht-Wissen – wenn dieses anerkannt wird – dass besser hingehört und hingesehen werden muss. Meistens ist die Lösung schon im Raum, wenn auch nur angedeutet, als schwaches Signal. Und dieses Signal zu orten bedarf kollektiver Achtsamkeit. In der Ausbildung MINDFULNESS IN ORGANISATIONEN werden wir uns Methoden widmen, die neue Perspektiven aus dem Zustand des nicht-Wissens gewinnen können. Für Norbert hätte das Aneignen einer solchen Methode klar einen Gewinn bedeutet, denn sein Problem hätte die Chance gehabt, nachhaltig angegangen zu werden. Es würde für ihn aber auch eine ungewohnte persönliche Änderung erfordern, nämlich dann inne zu halten, wenn sein Impuls, die Situation im Sinne seiner bisherigen Erfahrungen, Vorlieben und Denkmuster einzuordnen, am Stärksten ist.

Innovative Ideen können uns schon zufliegen, doch wir müssen unseren Haushalt – ob auf individueller oder kollektiver Ebene – so einrichten, dass wir die Idee auch hören.

Effizienz
Graubereich der Ethik

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Donnerstag, 20. Juni 2019

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