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Effizienz

Wenn der Druck bei der Arbeit steigt, ist die erste Reaktion die, mehr zu tun und schneller zu arbeiten. Effizienz ist aber eher eine strukturelle Geschichte, wo die beitragenden Vorgehensweisen untereinander in Resonanz sind und zur Aufgabe passen. Stressreduktion durch Achtsamkeit – um auf individueller Ebene mit dem Druck klarzukommen - hat in weiten Kreisen Anerkennung gewonnen. Doch Stressreduktion – obwohl sehr nützlich – ist in seiner Natur mit dem noch-mehr und noch-schneller Arbeiten assoziiert. Die Praxis der Achtsamkeit bietet mehr – sie kann strukturelle Änderungen erzeugen, deren Wirken sich anstrengungslos und natürlich vollzieht.

In vielen Firmen ist die Praxis der Achtsamkeit kein exotisches Unterfangen mehr und oft sogar fester Bestandteil von firmeninternen Gesundheitsprogrammen. Das ist ein wunderbarer Anfang.

Wir leben in einer (Arbeits-) Welt wo wir noch mit vielen alten Mechanismen unterwegs sind. Dabei denke ich an hierarchisch geführten Unternehmen, an starre Projektmanagement Ansätzen oder an fixe Rollendefinitionen. Solche Strukturen machten Sinn in einer Welt, wo grössere Änderungen nur jedes Jahrzehnt zu erwarten waren, oder in Arbeitsbereichen, wo klare Prozesse sinnvoller sind als agile Vorgehensweisen. Das heutige Arbeitsumfeld mit seinem immer enger werdenden Takt von Veränderungen gleicht mehr einer Welle, die konstant am Rollen ist und von uns etwas ganz Anderes erfordert. In der Vergangenheit konnten wir Änderungen absorbieren um dann wieder in eine Phase der Stabilität einzuschwenken, doch jetzt scheinen wir aufgefordert zu werden, uns auf einen Modus der konstanten Änderung einzulassen – als ob wir auf dieser Welle surfen würden und dadurch in konstanter Bewegung bleiben müssten.

Dies erfordert eine viel fundamentalere Anpassung als je zuvor. Einfach noch strenger und mehr vom Gleichen zu tun, bringt uns nur in Erschöpfung und Stress. Die Situation erfordert strukturelle und methodische Anpassung sowohl im Unternehmen als auch beim Individuum. Dabei gibt es eine gegenseitige Abstimmung von Methode, Rollenverständnis, organisatorischer Aufstellung und Bewusstseinsreife des Individuums. Man kann nicht nur einfach eines dieser Elemente zu alten Strukturen hinzufügen wie ein Flickwerk. Sie werden nur effizient zusammenarbeiten, wenn sie gegenseitig eine Passung finden und mit der zu lösenden Anforderung in Resonanz sind.

Auf individueller Ebene ist die achtsamkeits-basierte Stressreduktion gut, aber sie bedeutet immer noch ein Flickwerk, wo Gewohnheiten, Einstellungen und Glaubenssätze zu emotionalen Wogen führen, welche dann durch Achtsamkeit wieder besänftigt werden müssen. Immer und immer wieder in einem kontinuierlichen Rhythmus des Auf und Ab. Irgendwann müssen wir uns fragen, wie diese Wogen überhaupt erst entstehen. Wenn diese Frage der vorrangige Ansatz ist, unsere emotionalen Wogen anzugehen, markiert dies einen Wendepunkt. Dann geht es nicht mehr darum, welche Woge über uns hinwegfegt, sondern nur darum, wie wir sie generiert haben – generiert in einem extrem kurzen Zeitfenster, quasi zwischen zwei Gedanken. Es braucht viel Aufmerksamkeit dies zu sehen. Doch dies zu sehen bedeutet eine neue Perspektive, denn wir kommen von da an in Kontakt mit den Impulsen, welche unser natürliches Potential der Achtsamkeit aushöhlen. Wir beginnen zu realisieren, dass es nicht darum geht, unseren Achtsamkeits-Muskel konstant zu trainieren damit er nicht wieder degeneriert, sondern darum das natürlich vorhandene Potential der Achtsamkeit freizulegen, indem wir unsere Stressmechanismen – langsam aber stetig – ganz eliminieren. Erst dann können wir sagen, dass unsere Achtsamkeits-Fähigkeit effizient ist. Daniel Goleman und Richard Davidson haben in ihrem neusten Buch ‚Altered Traits' aus neurowissenschaftlicher Perspektive gezeigt, wie die kontinuierliche Praxis der Achtsamkeit zu bleibenden strukturellen Veränderungen im Hirn führen – die dann auf natürliche Weise so funktionieren, als würde man sie konstant trainieren. So zeigten sie, dass sich die Fähigkeit zu kontinuierlicher Aufmerksamkeit und Aktions-Bereitschaft auf hohem Niveau etabliert. Ebenso konnten sie zeigen, dass Langzeitpraxis zu einem veränderten Schmerzreaktions-Verhalten führt, mit wenig Furcht-Reaktionen vor dem Schmerz, dann eine kurze aber intensive Reaktion während dem Schmerz und eine beschleunigte Erholung nach dem Schmerz. Diese beiden Eigenschaften stehen als Beispiele für weitere strukturelle Veränderungen. Sie werden in einem Umfeld, welches mit konstanten Anforderungen aufwartet, sehr nützlich. Solche Strukturen sind deshalb effizient, weil sie nicht durch konstante Anstrengung aufrechterhalten werden müssen. Diese Strukturen sind permanente Eigenschaften eines wachen Bewusstseins. Und solche Strukturen sind es - ob im Unternehmen oder im Individuum – die es mit der Welle der konstanten Veränderung aufnehmen können ohne sich schnell zu verbrauchen.

Using the full potential of mindfulness at work
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Sonntag, 20. Januar 2019

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